Themenguide.de
Themenguide.de
Anbieter aus der Region
SUCHEN & FINDEN
Touristisches
Top 5 Gelbe Seiten
ADRESSEN
Interaktiv
GelbeSeiten

Interviews

Im Interview: Rolf Nobel, Professor für Fotografie an der FH Hannover

„Fotojournalismus ist nichts für Pipimädchen und Muttisöhnchen“

Leidenschaft, bedingungslose Leidenschaft für den Fotojournalismus, das ist es, was Rolf Nobel von seinen Studierenden verlangt. Seit dem Wintersemester 2000 leitet der 1950 geborene Hamburger die Studienrichtung Fotografie der Fakultät III (Medien, Information und Design) an der Fachhochschule Hannover. „Keiner von Euch, den ich hier ausbilde, wird draußen gebraucht. Ihr müsst später um jeden Auftrag kämpfen“, impft er seinen Schützlingen immer wieder ein. Mit Erfolg. Seine Schüler räumen bei nationalen und internationalen Wettbewerben reihenweise Preise ab, ehemalige Absolventen fotografieren für die wichtigsten Zeitungen und Magazine der Welt.

Rolf Nobel hat eine Vision: Mit seinem Studiengang in die Top Ten der Welt vorzustoßen. Auf dem Weg dorthin ist ihm nach jahrelanger Vorarbeit ein Coup gelungen, der Hannover im Juni schlagartig in der gesamten Foto-Welt bekannt machen wird. Beim LUMIX Festival für jungen Fotojournalismus zeigen 60 von einer hochkarätigen Jury ausgewählte Fotografen und Fotostudenten aus aller Welt vom 18. bis 21. Juni in den futuristischen Gebäuden auf dem Expo-Gelände rund 1.400 Fotos. Ein Mammut-Projekt, über das wir mit dem Foto-Professor ebenso sprachen wie über die Einsamkeit des Fotojournalisten und die BILD-Hobbyfotografen.

Interview: Jens Bielke, Jens-C. Schulze
Text: Jens Bielke
Fotos im Gespräch: Jens-C. Schulze

Das Interview wurde am 21.05.2008 im Büro von Rolf Nobel im Design Center an der Expo Plaza geführt.


magaScene: Herr Nobel, wie lange lag die Idee für das LUMIX Festival bei Ihnen schon in der Schublade?

Nobel: Bestimmt schon drei oder vier Jahre. Die erste Überlegung war, alle Fotostudenten aus Deutschland nach Hannover einzuladen. Diese Idee haben wir dann wieder verworfen, der Gedanke, ein großes Festival auf die Beine zu stellen, hat mich dann aber nicht mehr losgelassen.

magaScene: Aus welchem Antrieb?

Nobel: Immer vor dem Hintergrund, die bisher mangelhafte Kommunikation zwischen den nationalen und internationalen Foto-Hochschulen zu verbessern. Konkret wurde es dann, als wir wieder zum weltgrößten Fotofestival „Visa Pour l´Image“ ins südfranzösischen Perpignan eingeladen wurden. Sein künstlerischer Direktor, Jean-Francois Leroy, legt den Schwerpunkt immer auf das Thema Kriege und das Leid dieser Welt. Wenn man dann eine Woche lang in den Ausstellungen der Fotojournalisten visuell mit Leichenbergen konfrontiert wird, ist das sehr deprimierend.

magaScene: ...und entspricht nicht dem Oeuvre des Berufsstandes, oder?

Nobel: In der Tat kann der Fotojournalismus viel mehr, als nur die Schattenseiten des Lebens abzubilden. Wir sind die Bewahrer der kompletten visuellen Geschichte der Menschheit und dazu gehören neben Krieg und Zerstörung auch Freude und fröhliche Momente. Das war die Initialzündung für uns, ein Festival ins Leben zu rufen, das die komplette Bandbreite des Menschseins abbildet.

magaScene: Wer kommt im Juni nach Hannover?

Nobel: Bevor überhaupt jemand kommt, mussten wir der Welt mitteilen, dass wir sie hier erwarten! Das war eine echte Herkulesaufgabe. Wir haben alle Hochschulen, die weltweit fotojournalistisch ausbilden, recherchiert, angeschrieben und sie über unser Festival informiert. Dazu kommen unsere Kontakte zu den Bildagenturen, Galerien und Medien, sodass wir über einen Verteiler von 1.200 Mail-Adressen für unser Anliegen getrommelt haben.

magaScene: Mit welchem Echo?

Nobel: Die Resonanz war riesig. Insgesamt 437 junge Fotografen und Fotostudenten aus aller Welt haben sich mit Reportagen, Essays und Serien beworben. Die Qualität der Arbeiten, darunter von neun World-Press-Award-Gewinnern und vielen anderen preisgekrönten Fotografen, ist beeindruckend. Eine vierköpfige Jury hat daraus 60 Arbeiten ausgewählt. Die ausgestellten Fotografen kommen aus 21 Ländern, zwölf Prozent von ihnen studieren noch.

magaScene: Wo werden die Ausstellungen gezeigt?

Nobel: In den futuristischen Gebäuden auf dem Expo-Gelände: natürlich bei uns im Design Center, nebenan in der Multimedia BBS und dem Camp Media, aber auch im Norwegischen, Dänischen und Britischen Pavillon. Der Clou aber ist eine XXL-Galerie im 450 Meter langen verglasten Skywalk der Deutschen Messe AG. Alle Ausstellungsorte sind fußläufig bequem zu erreichen. Insgesamt können sich die Besucher über 1.400 Fotos freuen.

magaScene: Wie haben sich Ihre Studierenden bei der Vorbereitung eingebracht?

Nobel: Ganz fantastisch. Sie haben in Eigenarbeit Galeriewände von 200 Meter länge in bester Qualität gebaut. Für etwa 16.000 Euro haben wir Holz gekauft. Eine Investition in die Zukunft des Festivals, denn wir wollen es künftig alle zwei Jahre veranstalten, aber auch in die Ausstattung der Studienrichtung. Diese portablen Wände können wir jetzt für eigene Ausstellungen, z.B. für die Präsentation unserer Diplomarbeiten nutzen.

magaScene: Wie hoch ist der Etat für Ihr Festival?

Nobel: Die Planungen laufen noch, z.B. vermieten wir noch Stände für unsere Fototechnik-Schau im Design Center. Wir kalkulieren mit einem Etat zwischen 160.000 und 190.000 Euro, wir wissen ja auch noch nicht, wieviel Besucher kommen. Auf der Suche nach Sponsoren und Förderern haben wir unser komplettes Netzwerk mobilisiert. Dass ein Weltkonzern wie Panasonic schon länger der Hochschule verbunden ist, erleichtert da vieles. Wir bekommen Leihkameras und Beamer gestellt, unsere Geräten werden kostenlos gewartet und auch für das Festival wurde uns eine große Summe und technisches Know How zur Verfügung gestellt. Ein weiterer größerer Förderer des Festivals ist auch die VGH, mit der ich seit vielen Jahren beim VGH-Fotopreis zusammenarbeite. Netzwerke zahlen sich immer aus.

magaScene: Wo werden die ausstellenden Jungfotografen untergebracht?

Nobel: Wir können nicht für 60 Fotografen die Flüge bezahlen und die Hotelunterkunft. Unser Festival ist keine 5-Sterne-Veranstaltung. Wir wollen die Begegnung. Deshalb haben wir eine Bettenbörse ins Leben gerufen, bei der sich Fotostudenten aus Hannover melden können, die einen ausländischen Gast bei sich aufnehmen wollen. Das wird super angenommen und fördert bei abendlichen Diskussionen auch den Austausch über den eigenen Berufsstand, Foto-Techniken und Erfahrungen.
Seite 2  3  4 
Weitere Links zum Thema:
Website Fotofestival Hannover


zum Seitenanfang

Sitemap Unterhaltung:
| | |





© 2012 Themenguide.de - Veranstaltungen, Behörden, Freizeit
Anbieter aus der Region


powered by Donnerwetter
Das Wetter in Ihrer Region