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![]() Im Interview: Hanno Balitsch„Da gibt es neunzig Minuten nur Lack!“
magaScene: Du hast Dich dann für die Karriere des Fußball-Profis entschieden. Muss man dabei auch gewisse Klischees erfüllen? Wenn man da ein bisschen aus dem Rahmen springt, wie Bastian Schulz, der mit seinem alten Polo zum Training kommt oder ein Spieler, der regelmäßig zur Übungseinheit radelt, wird man leicht zum Gespött bzw. der Boulevard macht da eine große Story raus.
Balitsch: Erfüllen muss man diese Klischees nicht. Der Boulevard lebt aber von diesen Klischees, die er dann auch pflegt: Von der Person des Fußballers, der viel Geld verdient, aber häufig wenig im Kopf hat, der im Vergleich zur Krankenschwester überhaupt nicht arbeitet. Wenn es Ausnahmen gibt, sind dies natürlich Vorlagen für ihre Geschichten. Und diese Storys reduzieren sich ja nicht nur auf die Person des Fußballers und das Sportliche, sondern auch auf das ganze Drumherum und das Privatleben. Das Bild der Spielerfrau beinhaltet ja zum Beispiel: Geld ausgeben, blond, gut gebaut und Dummchen sein. Das ist ein Klischee, das gerade in Deutschland gerne bedient wird und dadurch den Neid-Faktor provozierend erhöht. magaScene: Gibt es denn auch Anfragen vom Boulevard, ob man mit Dir und Deiner Partnerin eine schicke Home-Story machen könne? Balitsch: Solche Anfragen gibt es durchaus, aber weniger von der BILD in Hannover, da ich mit denen schon seit zweieinhalb Jahren kein Wort mehr spreche. Das merkt man dann im Umkehrschluss an der Beurteilung meiner Leistung und in den Artikeln. Als ich heute morgen die Bild aufgeschlagen habe, musste ich herzhaft lachen. Da steht in einem Artikel, dass Frankfurt Balitsch jage. Weiter heißt es in dem Artikel, dass ich den Verein verlassen solle, weil ich in der Mannschaft höchst umstritten bin. Das ist absolut frei erfunden! Da ich aus dem Frankfurter Raum stamme, weiß ich, dass die Eintracht gar nicht in der Lage wäre, so einen Transfer, was das Gehalt und die Ablöse betrifft, zu stemmen. Als Argumente werden dann weiter aufgeführt, dass ich mit dem Trainer eh nicht könne und der einzige sei, der noch Geld bringen würde. Das ist halt der Preis, den man bezahlt, wenn man das Klischee des Fußballers nicht bedient. Für mich wäre es einfacher und vielleicht positiver in der Außendarstellung, wenn ich da mitmachen würde, allerdings wird dieser Weg mir nicht gerecht. Für mich ist es wichtig, dass ich mich morgens noch im Spiegel anschauen kann. Mit Leuten, die Halbwahrheiten verbreiten, einem das Wort im Mund umdrehen, die falsche Zitate abdrucken, mit denen möchte ich nichts zu tun haben. magaScene: Wenn Du nicht Fußball-Profi geworden wärst, hättest Du gerne den Beruf des Sportjournalisten ergriffen. Offenbar nicht beim Boulevard, sondern in anderer Richtung. Wie sieht es denn mit einer journalistischen Karriere nach der aktiven Laufbahn aus? Könntest Du Dir Moderationen à la Thomas Helmer beim DSF vorstellen oder würdest Du zwischendurch noch studieren? Balitsch: Ich habe bereits ein Fernstudium an der Uni Düsseldorf als Diplom-Sportmanager nach IST abgeschlossen. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht, da ich in die Materie hinsichtlich Versicherungen, Steuern und betriebswirtschaftlicher Aspekte einen neuen Einblick bekommen habe. Aber was jetzt direkt nach der Karriere kommt, ist noch offen, wobei ich den Journalismus immer noch reizvoll finde. Ich denke, ich kann zwei Sätze geradeaus nacheinander sprechen und auch mal kritische Anmerkungen machen, die polarisieren. magaScene: Was würdest Du einen Spieler direkt nach einem Spiel fragen, wenn er das Spiel 5:0 gewonnen und drei Tore geschossen hat? Balitsch: Es ist sehr schwierig, denn der Reporter möchte Emotionen transportieren und Sätze hören wie „Ich bin super glücklich etc.“ Das klappt heute zutage nicht immer. Ich persönlich bin dafür, dass zwischen Schlusspfiff und Interview mindestens eine Viertelstunde Pause ist, damit beide Seiten erst einmal reflektieren können, was da gerade passiert ist. Und sich der Reporter überlegen kann, was er detailiert fragen könne. Denn häufig ist es ja so, dass die Reporter am Spielfeldrand auch mitgefiebert haben. Somit stellen sie häufig Fragen, die die Antwort schon implizieren. Etwas mehr Abstand würde dann vielleicht zu qualitativ besseren und interessanteren Interviews führen. magaScene: Die Medien scheinen es Dir angetan zu haben. In der Freizeit entspannst Du dich bei Film und Fernsehen. Bist Du eher Kinogänger oder mehr der Home-Cinema-Typ? Balitsch: Eigentlich beides, aber ich gehe sehr gerne ins Kino, weil ich das Flair mag „ große Leinwand, guter Sound, Popcorn rascheln hier, Flasche umfallen da. Es ist schon etwas anderes, als wenn man allein daheim auf der Couch sitzt.
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